Heute regnet es wie aus Eimern und ich hab Zeit mal wieder was aus meinem Leben hier in Borongan mit euch zu teilen. Am besten fang ich da glaub ich beim vorletzten Wochenende, der Fiesta in Guiuan an. Von der Fiesta selber haben wir eher wenig mitbekommen weil die Feierlichkeiten in abgegrenztem Rahmen stattgefunden haben. Viele hochrangige Leute waren geladen und wurden zum Curaca tanzen aufgerufen. Curaca ist ein traditioneller Tanz, und diese Tradition möchte ich kurz geneuer erläutern: Wenn zwei Partner aufgerufen werden, meist reiche Leute, wird zu Liedern im ¾ Takt getanzt, aber nicht eng aneinander, sondern mit reichlich Abstand jedoch stets um einander herum mit Blickkontakt. Und dann beginnt der interessanteste Teil aus europäischer Sicht: Der Mann und auch manchmal die Frau haben Bündelweise 20-Peso-Scheine dabei, die dann in die Luft geworfen werden und wie roter Schnee (die Scheine sind rot) auf das Paar nieder gehen. Danach kommen Leute von allen Seiten und werfen auch Scheine auf das Paar und abhängig von der gesellschaftlichen Stellung der Tanzenden können nachher auch mal mehrere Hundert 20-Peso-Scheine auf der Tanzfläche liegen, die dann mit Besen und Eimern beiseite geschafft werden, um die Tanzfläche für das nächste Paar wieder vorzubereiten. Das Geld wird übrigens danach den umliegenden Kirchengemeinden gespendet.
Den Abend haben wir in der ortsansässigen DJ Disco verbracht, wo abgedrehte, filipinische und natürlich haufenweise amerikanische Musik läuft.
Sonntag dann wieder kultureller Austausch (obgleich recht einseitig): Hahnenkampf. Alle haben davon erzählt, überall sieht man an der Straße die Kampfhähne, und es gibt zig Läden, die irgendwelche Aufputschprodukte für Hahn und Federkleid verkaufen. Als wir in der Arena waren (mit Glaskasten um die Kampffläche, Wettbüro mit Laptops und Internet...) hab ich mich relativ bald gefragt was ich da eigentlich mache, und als dann die ersten Hähne kamen, die erstmal aggressiv gemacht wurden wozu sogar zwei weitere Hähne gehohlt wurden, war ich mir nicht mehr so sicher ob ich mir das echt angucken möchte. Dann wurden die Wetten angenommen, alles in Höhe von 500-2000 Peso, was für die Leute schon ziemlich viel Geld ist. Alle haben nur noch rumgeschrien, und der Giovanni, der uns begleitet hat sagte, wir sollten unter allen Umständen die Hände unten lassen. Wir haben und dann 4 Kämpfe angeguckt, die anfangs ziemlich schnell vorbei gingen, und später auch mal beide Hähne gestorben sind, wo dann der glückliche Gewinner derjenige war, der länger überlebte. Das geht alles recht schnell, weil jeder Hahn an einem Bein ein 5cm langes Messer direkt an den Sporen befestigt hat... Ich werds mir bestimmt nicht wieder angucken, aber man ist halt neugierig und sollte auch wissen was man verurteilt. Bei jedem Kampf die gleiche Prozedur und der Kampf selber relativ unspektakulär, das einzige Adjektiv ist eigentlich grausam den Tieren gegenüber.
Die Woche über gabs wieder nicht so viel zu arbeiten, eigentlich gar nichts, wir haben die Zeit genutzt um die Strände Borongans auszukundschaften mit der Rose (das ist ihr „amerikanischer“ Name, den sie im Callcenter in Manila trägt) eigentlich Rojana, gebürtige Boronganerin arbeitet halt in Manila und ist grad hier um die Familie zu besuchen, weiß aber auch noch nicht wann sie wieder zurück geht, wegen Flut, Taifunen,... in Manila. Jedenfalls haben wir dabei einen richtigen, großen Sandstrand gefunden, mit großen Wellen und ohne Seeigel, worüber ich schon ziemlich glücklich bin. Am Samstag dann sind wir mit ihr nach Divinobo-Island gefahren, wo man in einer Art Korallen-Lagunen-Badewanne schwimmen konnte, in glasklarem Wasser, das zwar keinerlei Abkühlung bot aber trotzdem einfach genial war. Leider hab ich mir erst gestern in Tacloban River-Boots (Schuhe zum auf Seeigel und Korallen treten) und Taucherbrille und Schnorchel gekauft.
Am Wochenende waren außerdem die anderen Freiwilligen aus Guiuan und Salcedo hier und haben uns besucht, denen wir dann auch mal unsere Aloha-Disko zeigen konnten ;-).
Gestern in Tacloban hab ich mir eine 200peso Strafe eingehandelt weil ich über die Straße gelaufen bin, die Beamten waren auch recht offiziell, in Uniform und allem, und haben mir auch ein Official Receipt ausgestellt aber ob die jetzt nur (mal wieder) die Weißen abziehen wollten oder nicht, weiß ich nicht. Hab mir da außerdem ein Deutschland-Trikot gekauft für die Fussball-WM nächstes Jahr;-)
Mir geht’s ansonsten soweit gut, nur dass wir wieder mal kein fließendes Wasser haben und es den ganzen Tag regnet (was jedoch unsere Wassertonne füllt, was ziemlich praktisch ist).
Dienstag, 13. Oktober 2009
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Hey Mathis,
AntwortenLöschenAlles, alles Gute zum Geburtstag, lass dir von deinen phillipinischen Freunden ein Geburtstagsständchen singen und halt die Ohren steif!
Ich trink für dich ein Pils heute Abend mit, Grüße aus dem entfernten Afrika!
Fred
Moin Mathis.
AntwortenLöschenBezüglich der 200-Peso-Strafe: Das ist richtig so. Da hat mich eine philippinische Freundin drauf hingewiesen, deren Schwester am Vortag selber blechen musste. Bisher sind wir Taclobaner aber ohne Strafe durch die Straßen gekommen O:-)
Und danke wg. des Hahnenkampfberichts... also rock mal lieber weiter friedlich Samar ;)